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	<journal>
		<journal_title>Social Geography Discussions</journal_title>
		<journal_url>www.soc-geogr-discuss.net</journal_url>
		<issn>1816-1499</issn>
		<eissn>1816-1502</eissn>
		<volume_number>3</volume_number>
		<issue_number>1</issue_number>
		<publication_year>2007</publication_year>
	</journal>
	<doi>10.5194/sgd-3-57-2007</doi>
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	<publication_date>2007-02-02</publication_date>
	<article_title content_type="html">Neue Geographien des Vertrauens/Misstrauens &amp;ndash; Die westdeutsche Volkszählungsboykottbewegungen der 1980er-Jahre</article_title>
	<authors>
		<author numeration="1" affiliations="1">
			<name>M. Hannah</name>
			<email>mhannah@uvm.edu</email>
		</author>
	</authors>
	<affiliations>
		<affiliation numeration="1" content_type="html">Dept. of Geography, UVM, Old Mill Bldg., 94 University Place, Burlington, VT 05405, USA</affiliation>
	</affiliations>
	<abstract content_type="html">Die Auseinandersetzung über die Volkszählung in der Bundesrepublik
in den Jahren 1983 und 1987 stellen eine einsichtsreiche Gelegenheit dar,
wichtige Aspekte einer &amp;#0132;kritischen Anatomie moderner territorialer
Herrschaft&amp;#0147; zu verdeutlichen. Im Sinne der Ideen Michel Foucaults (Foucault
1976, 1999, 2004a, 2004b), geht es dabei nicht in erster Linie darum,
&amp;#0132;territoriale Herrschaft&amp;#0147; als ein Phänomen militarisch-gesicherter
Grenzen zu verstehen, die ein territoriales Feld staatlichen Gewaltmonopols
einschließen. Diese &amp;#0132;hoheitliche&amp;#0147; Dimension von Macht ist freilich
nicht ohne Belang, aber sie hat relativ wenig damit zu tun, wie die
alltägliche soziale Ordnung gefestigt und reproduziert wird.
&amp;#0132;Territoriale Herrschaft&amp;#0147; im alltäglichen Sinn ist eher eine Frage von
oft unauffälligen Techniken räumlicher &lt;i&gt;Abstraktion&lt;/i&gt; und Segregation, von
&lt;i&gt;Fixierungen&lt;/i&gt; einzelner Aktivitäten in dafür bestimmten räumlichen
Abschnitten, von Mobilitätsmanagement, von der Verwaltung von
Infrastrukturen, usw. usf. Solche Techniken beruhen auf verschiedenen Formen
von Wissen (Hannah, 2000). Diese Techniken sind aber nicht nur
Angelegenheiten der Macht, sie stellen auch Bedingungen des alltäglichen
Lebens dar. Die Tatsache, dass eine Maßnahme wie die Volkszählung im
Prinzip von Vorteil für die gezählte Bevölkerung ist, heißt
gerade nicht, dass sie nichts mit Macht zu tun hat. Das Ziel einer
Volksbefragung, deren kategorielle Gestaltung sowie deren organisatorische
Durchführung, sogar die ausgewählten statistischen
Auswertungsmethoden, können umstrittene Gegenstände politischer
Auseinandersetzungen werden.

&lt;br&gt;&lt;br&gt;
Solche Fragen sind 1983 und 1987 von vielen Deutschen (nicht nur von
&amp;#0132;Berufsaktivistinnen&amp;#0147;) gestellt worden. Zwischen Dezember 1982 und
März 1983 entstand eine Graswurzelbewegung gegen die für April 1983
geplante Volkszählung, schon Ende März bundesweit um die 500 lokale
Initiativen zählte. Meinungsumfrage zu dieser Zeit ergaben, dass
ungefähr ein Viertel der westdeutsche Bevölkerung keine
vollständigen Antworten abgeben wollten. Mitte April 1983, knapp zwei
Wochen vor dem Stichtag, setzte das Bundesverfassungsgericht die
Volkszählung einstweilig aus, um sich die notwendige Zeit für eine
gründliche Überprüfung der Verfassungsmäßigkeit der
Volkszählung zu verschaffen. Im Dezember 1983 erklärte das Gericht
Teile des Volkszählungsgesetzes von 1983 für verfassungswidrig, und
die Regierung musste ein neues Gesetz ausarbeiten, das den Prinzipien des
Datenschutzes besser entsprach. Ende 1985 war ein neuer Entwurf fertig, und
nach einigem politischem Hin und Her wurde der 25. Mai 1987 als neuer
Stichtag festegesetzt. Frühling 1987 erhob sich eine noch stärkere,
besser organisierte Anti-Volkszählungsbewegung mit einer einheitliche
Strategie und ungefähr 1500 lokale Initiativen, aber diesmal konnte der
Zensus nicht aufgehalten werden. Die hartnäckigsten Auskunftsverweigerer
wurden monate- und sogar jahrelang verfolgt, um Bußgelder einzutreiben.
Die Regierung feierte die statistische Ergebnisse fast wie eine
Siegesbeute.

&lt;br&gt;&lt;br&gt;
Die Boykottbewegungen könnte aus sozialgeographischer Sicht mit anderen
politischen Auseinandersetzungen aus dem &amp;#0132;Jahrzehnt der
Bürgerinitiativen&amp;#0147;, wie Hans Gebhardt die Zeitspanne von 1975 bis 1986
in Westdeutschland nennt, verglichen werden (Gebhardt, 2001:148). Um einen
solchen Vergleich soll es hier aber nicht gehen. Vielmehr möchte ich der
abstrakteren Frage nachgehen, wie diese Auseinandersetzungen zu weit
reichenden Veränderungen in der Konstellation von Vertauen und
Misstrauen zwischen Regierung und Bürger führten. Diese
Veränderungen sind untrennbar mit der Konstruktionen von virtuellen und
physischen, sowie privaten und öffentlichen Räume verbunden.
Darüber hinaus signalisieren diese Streitigkeiten eine noch nicht
vollzogene Verschiebung in der Bedeutung von Staatsbürgerschaft unter
den Bedingungen einer elektronisch vermittelten Sozialität. Diese
Verschiebung ist selbstverständlich nicht nur ein bundesdeutsches
Phänomen aus den 1980er-Jahren; sie ist seither überall in Europa
und Nordamerika zu sehen. Sie lässt sich jedoch am Beispiel der
Volkszählungsboykottbewegungen besonders gut veranschaulichen.</abstract>
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